Interview mit dem DUO ZIKR
Worin liegen Originalität und Besonderheit des DUO ZIKR im Vergleich zu moderner Musik? Was gibt die Musik des DUOs dem Zuhörer?
Igor Silin: Wir sind weltweit das einzige Duett, das auf die Bühne tritt und erst dort beginnen die Künstler ihren Gesang zu entfalten. Das heißt, wie unsere Kompositionen klingen werden – das wissen weder wir noch die Zuhörer vorher. Jedes Mal ist es anders.

Eine weitere Eigenheit liegt in der besonderen Technik der Stimmführung, die wir entwickelt haben. Dabei werden Elemente des klassischen sowie des Kammergesangs und archaische Techniken verschiedener Völker gemischt, das Spektrum reicht von heidnischen slawischen Liedern bis zum tibetanischen Kehlgesang.

Die Musik des DUO ZIKR gibt dem Zuhörer das, was er aus ihr entnehmen kann und will. Viele Konzertbesucher schreiben in ihren Bewertungen, dass die Musik des Duos sie stark bewegt hat. Anfangs wurde uns prophezeit, dass unser Publikum ein spezielles sein würde, elitär, doch das ist nicht so. In den vergangenen Jahren sahen wir, dass ganz verschiedene Menschen unsere Konzerte besuchen – sie gehören unterschiedlichen sozialen Schichten, Nationalitäten, Religionen an und haben einen unterschiedlichen Bildungsstand. Zu unseren Fans zählen Kinder zwischen 12 und 14 Jahren, aber auch Großmütter mit 65. Und natürlich auch die Großväter!

Olga Tkatschenko: Unsere Musik gibt dem Zuhörer die Möglichkeit in die menschliche Seele und ihre Stimme einzudringen. Es ist lebendige Musik eines lebendigen Herzens. Kann sein, dass das ziemlich abgehoben klingt, doch wir haben dieses Gefühl bei jedem unserer Konzerte. Im Konzertsaal fühlen die Menschen die Musik mit Herz und Seele, obwohl manche bestätigen, dass das auch so wäre, wenn sie eine CD hören. Damit hebt sich der Gesang des DUO ZIKR vom klassischen Gesang nach Noten ab. Natürlich kann man auch die klassische Musik mit Herz spielen, doch die Noten müssen trotzdem einer gewissen Mathematik folgen. Mathematik ist genau – das verhindert ein bisschen das Moment der lebendigen Atmung, der Improvisation … Die Musik des DUOs dagegen lässt die Lebendigkeit der Stimme spüren.

Welche Erwartungen haben Sie an die Jubiläumstour durch Europa und was bringen Sie für die Zuschauer mit?
Igor Silin: 2018 feiert das DUO ZIKR seinen 25. Geburtstag. Deshalb haben wir beschlossen, unsere Konzerte unter das Thema „Mysterium des Kelches" zu stellen. So hieß eins der ersten Alben des Duetts. Für uns hat das eine tiefe Bedeutung, weil der heilige Kelch des Wissens, der Musik und der Energie ein Symbol für den Weg ist, den wir im Leben und im künstlerischen Schaffen gehen.

Die Jubiläumstour startete bereits in Kiew, Auftritte gab es in Saratow und in Bratislawa. Am 17. Februar findet ein Konzert in Moskau statt, am 13. März in Sankt Petersburg. Das Highlight der Jubiläumssaison wird das Konzert am 3. April, das ist der Geburtstag des Duetts, in Berlin in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche sein.

Der 25. Geburtstag stellt einen Meilenstein auf unserem Weg dar, sowohl für die Sänger als auch für die Musiker und Komponisten. Wir hoffen sehr, dass dies nicht unser letzter Ehrentag sein wird.
Warum haben Sie für das Jubiläumskonzert in Berlin die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche ausgewählt?
Igor Silin: Wir sind zu Beginn unseres Schaffens 1994 in Berlin auf dem Festival „Berlin Independence Days" aufgetreten. Auch zu Konzerten in anderen Ländern kamen oft deutsche Zuschauer. Uns gefällt ihre Reaktion auf unser Schaffen. Außerdem ist Berlin unserer Meinung nach ein Schmelztiegel kultureller Traditionen, sowohl moderner als auch altertümlicher, die das Heute mit der Geschichte vor vielen Jahrhunderten verbinden. Diese Verflechtung von Stil und Kultur kommt unserer Musik entgegen. Der bemerkenswerte Saal der Gedächtniskirche passt zu uns aufgrund seiner Atmosphäre und Schönheit. Wir haben schon viele Konzertplätze ausgetestet, unserer Meinung nach wird die Musik des DOUs in Kirchen am intensivsten wahrgenommen.
Sie treten oft in verschiedenen Kirchen auf. Zeichnen sich diese Auftritte durch besondere Energetik und Emotionalität aus?
Olga Tkatschenko: Das Wichtigste in den Kirchen ist die Resonanz, ist – wie klingt ein Ton in dieser Kirche, wie erscheint sie vom Glauben durchdrungen und wie verhalten sich die Menschen dort. Wir haben sogar die Idee, alle unsere Aufnahmen in Kirchen zu sammeln und einen Film daraus zu machen – „In den Kirchen der Welt". Denn jede Musik klingt in jedem Land und in jeder Kirche anders. Und auch die Menschen, die zum Beten in die Kirche kommen, geben der Musik eine besondere Note. Die Musik der Sänger wird zur Musik der Betenden.
Auf dem Konzert am 3. April in Berlin werden Sie gemeinsam mit dem Sextett „Stimme des Feuers" und einem Organisten auftreten. Wie entstanden die Partituren für die Orgel und den Chor?
Igor Silin: Unser Sextett besteht aus professionellen Sängern, die eine Ausbildung am Konservatorium absolviert haben. Sie haben einige ihrer Freunde begeistern können und erarbeiteten auf der Grundlage von Aufnahmen des DUO ZIKR die Noten. Darüber waren wir sehr glücklich, denn zum ersten Mal konnten wir unsere Musik aus einer anderen Perspektive hören – denn in den Konzerten improvisieren wir ja immer. Das waren eine gute Erfahrung und ein tolles Erlebnis!
ZIKR ist für Sie eine originelle Meditation, eine Musik der Seele, des Wunsches, die Aufmerksamkeit der Menschen auf die Stimme und deren Fähigkeiten zu lenken. Erzählen Sie bitte etwas über Ihre Technik!
Igor Silin: Von Anfang an war es unser Ziel, unsere Zuhörer für die menschliche Stimme zu sensibilisieren – dieses Thema hat mich mein ganzes Leben interessiert. Wir teilen uns immer mit, auch ohne Worte – uns steht ein regelrechtes Stimmentheater zur Verfügung. Und wir nutzen unsere Techniken und auch die psychologische Komponente, weil wir auf der Bühne improvisieren – das ist unsere ureigene Musik.

Olga Tkatschenko: Die Musik des DUO ZIKR ist reine Improvisation, die sich nie wiederholt. Für mich grenzt unsere Art des Gesangs an Zauberei und Freiheit, als ob ich mit Gott in mir selbst spreche. Wir führen auf der ganzen Welt Workshops durch, um unsere Methode weiterzugeben. Wir machen Interessierten ihre eigenen Chancen und Begabungen bewusst. ZIKRs Technik ermöglicht die gesamte Vielfalt und Tiefe der Seele mittels der Stimme zu ergründen. Jeder Mensch hat eine andere Stimme, sie ist das individuellste und intimste, was wir haben. Die Stimme verrät uns alle Informationen über ihren Besitzer. Viele meiner Schüler geben schon selbst Unterricht, andere sind Opernsänger oder Schlagersänger geworden.


Welche modernen Musiker gefallen Ihnen? Mit wem würden Sie gern arbeiten?
Igor Silin: Mit allen, die das Improvisieren lieben und es auch können, muss man zusammenarbeiten. Wir sind schon mit unterschiedlichen Künstlern aufgetreten, haben Aufnahmen mit Jazz- und Rockmusikern sowie Organisten und sogar mit einem Sinfonieorchester aufgezeichnet. Wir stehen außerhalb jeglicher Stilrichtung in der Musik und wir sind daran gewöhnt, dass man uns anfragt und nicht umgekehrt.

Sowohl als Laienkünstler wie auch als Berufsmusiker sollte man offen auf die Menschen zugehen. Wir waren erst zufrieden, als wir bei einem Wettbewerb in Italien für unseren Gesang die Note „Ausgezeichnet" erhielten, für uns ist es wichtig zu verinnerlichen, dass wir wirklich professionell singen können.

Uns hört ein sehr vielschichtiges Publikum zu. Wir werden herzlich aufgenommen in New York, in Finnland, in Hongkong und sogar auf dem Festival in Tunis.

In welcher Stimmung sollte man zu den Jubiläumskonzerten des DUO ZIKR kommen?
Igor Silin: Man muss offen sein, damit man alles, was wir geben, aufnehmen kann. Man muss sich auf unsere Musik einlassen können und erst danach sollte sie beurteilt werden, denn viele haben solch einen freien Gesang ohne Noten noch nie gehört. Wenn der Mensch nicht versucht, alles rational zu ergründen, beim Musikhören zu denken, sondern seine Seele zu öffnen und emotional zu reagieren – erst dann wird die Musik zu einem wunderbaren Erlebnis und er wird es nicht bereuen, zu uns gekommen zu sein.
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Tilda